Wie Viel Gehaltserhöhung Ist RealistischGehaltserhöhung ProzentGehaltserhöhung 2026

Wie viel Gehaltserhöhung ist realistisch? Das sagen die Daten für 2026

Wie viel Gehaltserhöhung ist realistisch? Das sagen die Daten für 2026
Philipp Bethge

Philipp Bethge

Founder, AMUNIO

12 min Lesezeit

Wie viel Gehaltserhöhung ist realistisch? Das sagen die Daten für 2026

Kurzantwort: 6-14 % Gehaltserhöhung sind in Deutschland bei vielen Unternehmen mit aktiver Verhandlung durchschnittlich möglich, je nach Erfahrung und Position. Das maximale Potenzial liegt noch deutlich höher, z. B. bei kritischen Mitarbeitenden bei bis zu 30 %. Voraussetzung ist ein relevanter Beitrag zum Unternehmenserfolg. Welcher Korridor für deine Situation gilt, zeigt dieser Leitfaden.

Wie viel Gehaltserhöhung ist realistisch? Diese Frage stellt sich vor jeder Gehaltsverhandlung. Ohne Orientierung wirkt jede Zahl entweder zu niedrig oder zu hoch. Die Antwort hängt davon ab, in welcher Situation du verhandelst.

Dieser Leitfaden gibt dir Benchmarks damit du weißt, welche Zahl in deiner Situation realistisch ist. Die Zahlen stützen sich auf die aktuell verfügbaren Marktdaten für Deutschland.

Zuletzt aktualisiert: 3. August 2026 · Datengrundlage: Destatis, WSI, Kienbaum und ROCKWOOL Foundation Berlin (2025/2026)

Referenzwerte

Bevor es um das Potenzial deiner Verhandlung geht, hilft ein Blick auf drei Zahlen, die einen Überblick über die Marktsituation geben: die Inflation, die Tarifabschlüsse und die von Unternehmen geplante Gehaltsentwicklung.

ReferenzwertWertQuelle
Inflation (2025)+2,2 %Destatis[1]
Tarifabschlüsse (2025)+2,6 %WSI-Tarifarchiv[2]
Gehaltsentwicklung (Prognose 2026)+3,1 %Kienbaum[3]

Benchmark 1 – Inflationsgrenze: +2,2 %

Die Inflation lag im Jahresdurchschnitt 2025 bei +2,2 % gegenüber dem Vorjahr.[1] Dienstleistungen verteuerten sich um +3,5 %, Nettokaltmieten um +2,1 %. Wer 2025 eine Erhöhung unter 2,2 % erhielt, verdient heute real weniger als vorher.

Benchmark 2 – Tarifabschlüsse: ≈ 2,6 %

Die durchschnittlichen Tarifabschlüsse in Deutschland lagen 2025 bei +2,6 % nominal.[2] Nach Abzug der Inflation blieb davon real nur ein Plus von +0,4 %. Tarifgebundene Beschäftigte erhalten ihre Anpassung automatisch.

Benchmark 3 – Von Unternehmen geplant: 3,1 %

Unternehmen planen für 2026 im Durchschnitt mit einer Gehaltsentwicklung von +3,1 % ihrer Personalbudgets.[3] Zum Vergleich: Für 2025 wurde ursprünglich noch mit 3,8 % geplant. Der Trend bei den Unternehmensbudgets zeigt also nach unten.

Benchmark 4 – Das Potenzial: bis zu 30 %

Wer sein Gehalt aktiv verhandelt, kann das volle Potenzial nutzen und bewegt sich in einem deutlich größeren Korridor. Eine Studie mit 772 deutschen Unternehmen zeigt, zu welchen Gehaltssteigerungen Unternehmen bereit sind, wenn ein externes Jobangebot auf dem Tisch liegt und sie sich entscheiden, mitzuziehen.[4] Je nach Erfahrung und Position sind so 6 bis 14 % im Durchschnitt drin, für kritische Mitarbeitende sogar bis zu 30 %.

Die Zahlen im Detail

GruppeDurchschnittRealistischer BereichAnteil der Unternehmen, die verhandeln
Berufseinsteiger6 %1-10 %57 %
Erfahrene Fachkraft7 %1-10 %85 %
Führungskraft14 %1-20 %95 %
Kritische Mitarbeiter1-30 %>95 %

Quelle: ROCKWOOL/ifo 2025.[4] Basis ist eine Befragung von 772 deutschen Unternehmen. Die Werte zu "Durchschnitt" und "Realistischer Bereich" stammen von Unternehmen, die angeben, mit Beschäftigten zu verhandeln, wenn diese ihnen ein alternatives Jobangebot vorlegen.

Sowohl der Anteil der Unternehmen, die verhandeln, als auch die Höhe der möglichen Gehaltserhöhung steigen mit Erfahrung und Führungsverantwortung. Am höchsten sind beide Werte bei kritischen Positionen.

Viele Unternehmen haben für solche Fälle bereits Budget in ihrer Planung vorgesehen. Ausgegeben wird es aber nur, wenn du aktiv verhandelst.

Ein konkretes externes Angebot verändert die Verhandlungsdynamik. Es signalisiert dem Unternehmen, dass es dich ersetzen muss, wenn es nicht mitzieht. Das erhöht den Druck deutlich, eine substantielle Erhöhung anzubieten.

Warum dieser Hebel so stark wirkt

Arbeitgeber planen in der Regel eine gewisse Flexibilität ein, um auf individuelle Leistungen und Marktbedingungen reagieren zu können. Vor allem sind die meisten Unternehmen nicht bereit, ihre Top-Performer mit einer Standarderhöhung zu verlieren, wenn eine Nachbesetzung teurer und langwieriger wäre. Ein externes Angebot macht diese Kosten für das Unternehmen konkret.

Wie du diesen Korridor für dich nutzt

Aktives Verhandeln ist eine erlernbare Kompetenz. Wer seinen Marktwert kennt, einen Anker setzt und das Gespräch gut vorbereitet führt, kann deutlich mehr herausholen als der Durchschnitt. Wie das konkret funktioniert, erklärt der Gehaltsverhandlungs-Leitfaden.

Kritische Mitarbeiter: das obere Ende des Korridors

Die Tabelle oben zeigt: Für kritische Mitarbeitende gibt die Studie keinen Durchschnitt an, aber den mit Abstand größten Bereich (1 bis 30 %) und mit über 95 % die höchste Quote an Unternehmen, die mitziehen. Die Grundbedingung: Du bist für das Unternehmen schwer zu ersetzen, z. B. durch hohe Hebelwirkung, durch spezialisiertes Wissen oder durch beides.

Warum Unternehmen hier mehr zahlen

Sobald du für das Unternehmen schwer zu ersetzen bist, kann sich die Kalkulation grundlegend verändern. Wenn Führungskräfte, die wichtige Teams führen, Subject-Matter-Experts, auf deren Wissen eine Organisation aufbaut, oder Key-Account-Manager mit kritischen Kundenbeziehungen das Unternehmen verlassen, hat ihr Abgang potenziell kritische Folgeeffekte, die weit über das eigene Budget hinausgehen. Das kann Erhöhungen bis zu 30 % oder noch mehr aus Unternehmenssicht rational machen.

Wie du deine realistische Zahl findest

Die Benchmarks geben dir einen Rahmen. Deine konkrete Zahl ergibt sich unter Betrachtung von vielen Faktoren, darunter:

  1. Dein Marktwert: Was zahlt der Markt für deine Rolle und Erfahrung? Nutze mehrere Datenquellen (AMUNIO Gehaltsdatenbank, Recruiter-Gespräche, Kolleg:innen).
  2. Dein Wertbeitrag der letzten 12 Monate: Was hast du konkret geliefert? Welche Verantwortung hast du übernommen, die nicht in deiner ursprünglichen Stellenbeschreibung stand? Ohne eine Antwort auf diese Frage wird jede Zahl schwerer zu begründen.
  3. Die Situation deines Unternehmens: Wie ist die wirtschaftliche Lage? Werden Mitarbeiter:innen eingestellt? Gibt es Budgetrestriktionen? Wie hoch ist die Fluktuation in deinem Team? Wie schwer ist es, dich zu ersetzen? Je kritischer deine Rolle, desto mehr Spielraum hat das Unternehmen.

Wenn du diese Variablen kennst, setze deinen Anker ambitioniert. Setze deinen Anker nicht am unteren Rand deines realistischen Korridors, sondern am oberen und, wenn du dich als Top-Performer einschätzt, auch deutlich darüber. Wer eine Spanne nennt, bekommt fast immer das untere Ende. Ein konkreter Anker am oberen Ende lässt Verhandlungsspielraum nach unten.

Häufiger Fehler: Nur das Fixum verhandeln

Viele Beschäftigte fokussieren in der Gehaltsverhandlung ausschließlich auf das Bruttomonatsgehalt und lassen dabei erhebliche Teile des Gesamtpakets unverhandelt. Boni, variable Vergütung, Weiterbildungsbudgets, Homeoffice-Regelungen, betriebliche Altersvorsorge oder Equity können den tatsächlichen Jahreswert deiner Vergütung deutlich verändern.

Wenn das Fixgehalt durch interne Gehaltsbänder oder Budget-Freezes blockiert ist, ist die Verhandlung nicht vorbei, sondern verlagert sich. Die Gesamtvergütung ist der richtige Rahmen für jede Gehaltsverhandlung.

Häufige Fragen

Wie viel Gehaltserhöhung ist pro Jahr üblich?

Mit Tarifvertrag rund 2,6 %. Unternehmen planen für 2026 im Schnitt +3,1 % ihrer Personalbudgets ein. Verhandelst du mit einem externen Jobangebot und dein Unternehmen geht darauf ein, sind durchschnittlich 6-14 % möglich, bei kritischen Mitarbeitenden bis zu 30 % realistisch.

Ist 10 % Gehaltserhöhung zu viel?

Das hängt stark davon ab, ob du ein externes Angebot vorlegst. Ohne externes Angebot ist 10 % ambitioniert. Mit einem externen Jobangebot sieht es anders aus: Die Studie mit 772 deutschen Unternehmen zeigt, dass Führungskräfte im Schnitt 14 % erzielen können, wenn ihr Unternehmen reagiert. Für erfahrene Fachkräfte liegt der Durchschnitt bei 7 % (realistische Bandbreite 1-10 %). 10 % ist damit am oberen Rand, aber erreichbar. Für Berufseinsteiger liegt der Durchschnitt bei 6 % (Bandbreite ebenfalls 1-10 %). Auch hier ist 10 % möglich, aber nicht der Regelfall. Wichtig: Diese Zahlen gelten nur, wenn du ein externes Angebot vorlegst und dein Unternehmen bereit ist zu reagieren. Das tun laut Studie 57 % der Unternehmen bei Berufseinsteigern, 85 % bei erfahrenen Fachkräften und 95 % bei Führungskräften. Ohne externes Angebot ist 10 % intern schwer durchsetzbar. Das sollte dich nicht davon abhalten, 10 % oder mehr als Anker zu setzen. Es ist oft besser, ambitioniert zu verhandeln und dann nach unten zu korrigieren, als mit einem zu niedrigen Anker zu starten.

Ist 5 % Gehaltserhöhung gut?

Ja, 5 % liegt über den von Unternehmen geplanten Erhöhungen und über der Inflationsgrenze (2,2 %). Du gewinnst also real an Kaufkraft. Verhandelst du dagegen mit einem externen Angebot, liegt der Durchschnitt für Berufseinsteiger und erfahrene Fachkräfte bei 6-7 %. 5 % wäre dann ein solides, aber leicht unterdurchschnittliches Ergebnis. Als Anhaltspunkt: 5 % ist gut, wenn du kein externes Angebot vorlegst. Mit einem externen Angebot kann mehr drin sein.

Wie viel Gehaltserhöhung nach der Probezeit?

Nach der Probezeit (meist 6 Monate) ist eine erste Gehaltsverhandlung legitim. Die Argumentation unterscheidet sich aber von späteren Jahren. Du hast wenig Leistungshistorie, dafür ein Argument: Marktdaten. Wenn dein Einstiegsgehalt unter dem Marktniveau lag, ist die Probezeit der erste Moment, das zu korrigieren. Solltest du bereits ein externes Angebot haben, gilt der Korridor mit im Schnitt 6 % für Berufseinsteiger mit einer realistischen Bandbreite von 1-10 %.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis) – „KORREKTUR: Inflationsrate im Jahr 2025 bei +2,2 %", Pressemitteilung Nr. 019 (Januar 2026). destatis.de
  2. WSI-Tarifarchiv / Hans-Böckler-Stiftung – „Tariflöhne steigen 2025 um 2,6 %: Bilanz der Tarifrunde 2025" (2025). wsi.de
  3. Kienbaum Consultants International GmbH – „Gehaltsentwicklung 2026: Ein Blick auf die Personalbudgets der Unternehmen", Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose 2026 (18. September 2025). Befragung von mehr als 900 deutschen Unternehmen verschiedener Größen und Branchen. kienbaum.com
  4. Caldwell, S., Haegele, I. & Heining, J. – „Bargaining and Inequality in the Labor Market", ROCKWOOL Foundation Berlin, Discussion Paper No. 99/25 (2025). Daten aus: ifo-Firmenumfrage (772 deutsche Unternehmen, alle Branchen und Bundesländer) verknüpft mit IAB-Betriebs- und Beschäftigtenpanel, inklusive Verhandlungsquote nach Seniorität. rfberlin.com (PDF)